Einweihung der Ganztagsgrundschule

Bericht im Teckbote

"Kirchheimer Modell ist beispielhaft"
            14.05.2007

FEIERSTUNDE / Offizielle Einweihung der Ganztagesgrundschule in der Kirchheimer Alleenschule

Was seit Schuljahresbeginn für die große Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler ganz normaler Alltag an der Alleenschule ist, wurde am vergangenen Samstag während einer Feierstunde nun offiziell eingeweiht: Die Ganztagesgrundschule in Kirchheims Stadtmitte.

IRIS HÄFNER

KIRCHHEIM Die Mitglieder des Kinderchors der Alleenschule mussten herzlich lachen, als unmittelbar vor ihrer Darbietung in den ersten Reihen lautstark ein Handy klingelte Störungen durch moderne Kommunikationsmittel gibt es also nicht nur im Unterricht, so der Lerneffekt. Als die Kinder, stimmlich unterstützt durch den Kooperationspartner Liederkranz Kirchheim, musikalisch die Feierstunde eröffneten, herrschte jedoch ungewohnte Ruhe in der Aula.

"Schon wieder hier in der Schule und das am Samstag", erklärte Uwe Häfele, Schulleiter der Alleenschule. Doch dies bleibt aus Anlass des Frühlingsbasars, der zeitgleich stattfand, die Ausnahme. Reges Treiben herrscht dagegen die Woche über den ganzen Tag im Gebäude und auf dem Schulhof. An vier Wochentagen haben nun alle seine Schützlinge die Möglichkeit, das Ganztagesangebot zu nützen.

Die Zahlen sprechen für sich: Insgesamt 76 Prozent der Schülerinnen und Schüler nehmen dieses Angebot wahr. "Es war die richtige Entscheidung", stellte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker fest. Nach intensiver Beratung hat der Gemeinderat mehrheitlich diesen Schritt mitgetragen. "Das war keine ideologische Entscheidung, sondern ein Reagieren auf gesellschaftliche Realitäten", so das Stadtoberhaupt.

Die Einführung der Ganztagesbetreuung an der Grundschule ist für die Alleenschule nicht grundsätzlich Neues. Seit Mitte der Neunzigerjahre ist sie Alltag in der Hauptschule. "Es war damals die erste Schule im Landkreis Esslingen und wir haben darum gekämpft", erinnerte sich Angelika Matt-Heidecker. Sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart war dabei das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer entscheidend. "Die Alleenschule ist nicht mehr eine Brennpunktschule. Sie wird ungeheuer mit menschlichem Leben gefüllt", freut sich die Oberbürgermeisterin.

Rund 280 000 Euro gab es für die bauliche Umrüstung des Jugendstil-Gebäudes für die Ganztagesgrundschule vom Bund aus IZBB-Mitteln. Dieses Geld ist gut angelegt. Mehrere Räume wurden für das zusätzliche Betreuungsangebot bedarfsgerecht unter Federführung von Architekt Franz-Dieter Hoff umgebaut und eingerichtet. Alte Werkräume sind nun saniert und mit neuen Werkbänken samt alter Bohrmaschinen ausgestattet. Im alten Öltankraum werden nun moderne Tänze geübt und bei autogenem Training oder Traumreisen der Alltag weit hinter sich gelassen. Es gibt eine kindgerecht eingerichtete Bibliothek samt Lese-Ecke und Schmetterlinge aus gefärbten Kaffeefiltern entstehen beispielsweise im Gruppenraum.

Verantwortlich für die Betreuung der Kinder außerhalb des Unterrichts ist die Familienbildungsstätte (FBS) Kirchheim, die sich diese Dienstleistung als neues Standbein geschaffen hat. Das Kirchheimer Modell in Sachen Ganztagesschule ist damit um eine Facette reicher geworden, wie Angelika Matt-Heidecker betonte. "Es funktioniert jetzt schon recht gut auch deshalb, weil die Organisation der Ganztagesschule auf viele Schultern verteilt ist", konnte Christoph Tangl, Leiter der FBS, berichten. Zwei hauptamtlich tätige Mitarbeiterinnen sowie zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen arbeiten mit viel Herzblut und für wenig Geld am Nachmittag in den Gruppen.

"Kirchheim ist beispielhaft für die gute Zusammenarbeit", lobte Hans-Dieter Pix vom Amt für Schule und Bildung. Was in der Teckstadt schon lange Realität sei, würde in vielen Kreisgemeinden noch diskutiert. Als es um die Einführung der Ganztagesbetreuung in der Hauptschule ging, habe das Lehrerkollegium der Alleenschule erkannt, dass es in den bisherigen Strukturen nicht weiterkomme. Gemäß eines Kant'schen Zitates hätten sie die "sittliche Verantwortung, die Welt zu gestalten", in die Tat umgesetzt und zwar aus eigenem Engagement, was Hans-Dieter Pix besonders hervorhob. Neben der Betreuung seien die Lehrerstunden von großer Wichtigkeit. "Ein Zurückschrauben dieser Stunden darf im Sinne der Kinder nicht passieren. Wir können die Arbeit sonst nicht schultern", so die klare Aussage von Hans-Dieter Pix, der versprach, dafür zu kämpfen.

Ins gleiche Horn bliesen auch Elternbeiratsvorsitzender Hans Kiefer und Uwe Häfele. "Nach den Mühen des Gebirges muss der Wagen nun in der Ebene in Bewegung gehalten werden", so der Schulleiter. Damit es wirklich ein Kinderland Baden-Württemberg gebe, müsse sich die Landesregierung ihrer Verantwortung bewusst sein und sich entsprechend an der laufenden Finanzierung beteiligen. Dem Schulträger, sprich der Stadt Kirchheim, allein könne die wichtige und unerlässliche Aufgabe in die Zukunftssicherung der Kinder nicht aufgebürdet werden, so die einhellige Meinung der Redner.