Der Teckbote

18.10.2011

 

Ein bunter Freizeittreff an der Alleenschule

 

Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker hat gestern dem Hauptschultreff „Chilli“ an der Alleenschule einen Besuch abgestattet. Den Schülern war es wichtig, sie von der enormen Bedeutung dieses Treffpunkts für den Schulalltag zu überzeugen.

 

Andreas Volz

 

Kirchheim. Der Hauptschultreff war vor drei Jahren in der ehemaligen Hausmeisterwohnung des Pädagogischen Fachseminars eingerichtet worden. Eltern, Lehrer und Schüler haben die Wohnung und die Außenanlage gemeinsam umgebaut. Außer dieser Eigenleistung, die Kosten sparen half, sind auch diverse Spenden und Zuschüsse in das Projekt mit eingeflossen. Schulleiter Uwe Häfele bezeichnet es als einen „glücklichen Zufall“, dass die frühere Wohnung für den dringend benötigten Rückzugsort der älteren Schüler verwendet werden konnte.

 

Allerdings war es von Anfang an klar, dass es sich hierbei nur um eine Übergangslösung handeln kann, machte die Oberbürgermeisterin bei ihrem gestrigen Besuch deutlich. Zum einen lobte sie die Schüler und die Schule, indem sie sagte: „Ich denke, ihr habt euch eure Übergangslösung sehr schön eingerichtet.“ Andererseits aber erinnerte sie daran, was ursprünglich einmal vereinbart worden war: „Wir hatten ausgemacht, dass Engagement und Eigenleis­tungen, die hier drinstecken, später nicht als Druckmittel für den Erhalt des Gebäudes eingesetzt werden.“

 

Da nächstes Jahr das frühere Seminargebäude abgebrochen werden soll, ist natürlich auch der Hauptschultreff vom Abriss bedroht. Deshalb haben die beiden Schülerinnen, die Angelika Matt-Heidecker gestern durch ihren Treff führten, der Oberbürgermeisterin auch eine Unterschriftenliste übergeben. Viele Jugendliche, aber auch Erwachsene sprechen sich mit ihrer Unterschrift für den Erhalt des „Chilli“ aus, sagten Betül aus der 8b und Janina aus der 8a, als sie die Liste überreichten.

 

Die Oberbürgermeisterin davon zu überzeugen, dass der Hauptschultreff richtig, wichtig und sinnvoll ist, war nicht sonderlich schwer. Im Durchschnitt sind es 25 Jugendliche, die dort ihre Mittagspause verbringen. Es können aber durchaus auch einmal 40 Schüler der Klassen 7 bis 9 oder auch der internationalen Vorbereitungsklasse sein, die sich über Mittag in „ihren“ Räumen aufhalten, um zu reden, Tischtennis, Tischfußball, Poolbillard oder Karten zu spielen.

 

Außerdem gibt es täglich ein güns­tiges warmes Mittagessen, das die Schüler selbst zubereiten. Es gibt einen Wochenplan, in dem für jeden Wochentag ein festes Team einge­teilt ist. Nach den nächsten Schulferien gibt es wieder neue Teams. Die Jugendlichen lassen sich im „Chilli“ also nicht nur bedienen, sondern übernehmen auch selbst Verantwortung. Im Schülerteam beraten sie sich mit den erwachsenen Betreuern des Hauptschultreffs – zwei Lehrerinnen und vier Sozialpädagogen des Jugendmigrationsdiensts. Von diesen sechs Betreuern stehen jeden Tag zwei im „Chilli“ als Ansprechpartner zur Verfügung.

 

Für die Klassen 5 und 6 gibt es an der Alleenschule ein ähnliches Angebot. Wichtig ist es aber sowohl dem Lehrerkollegium als auch den Jugendlichen, dass es hier eine altersgemäße Trennung gibt. Im „Chilli“ können die Älteren unter sich sein.

 

Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker hat die Bedeutung des Treffpunkts an der Schule von Anfang an gesehen: „In der Innenstadt sind die Verlockungen groß. Die Schüler brauchen eine Alternative. Es kann ja nicht Sinn der Ganztagsschule sein, dass jemand jeden Mittag zwei Stunden allein in der Stadt verbringt.“

 

Die Zeiten haben sich grundlegend geändert seit ihrer eigenen Schulzeit, sagte Angelika Matt-Heidecker auf die Frage von Betül und Janina. An einen Treffpunkt wie das „Chilli“ war noch nicht einmal zu denken: „Schule hat früher völlig anders ausgesehen. Wir waren nicht den ganzen Tag an der Schule, dafür aber auch samstags.“ In den Familien sei es ganz anders zugegangen als heutzutage: „Da war immer jemand zu Hause.“ Entweder seien die Großeltern dagewesen oder die Mütter. Es seien wesentlich weniger Frauen berufstätig gewesen als heute.

 

Inzwischen sei die Schule aber nicht nur ein Lernort, sondern auch ein Aufenthaltsort. Das gilt für den Hauptschultreff über die Mittagszeit. Aber auch außerhalb der Mittagsstunden wird die ehemalige Hausmeisterwohnung rege genutzt: für Projektgruppen der einzelnen Schulklassen, als Büro des Jugendmigrationsdiensts für Schüler, die sich auf eine Lehrstelle bewerben, aber auch für die Saxofongruppe des Musikschulkooperationsprojekts.

 

Pädagogik und Sozialpädagogik müssten künftig noch viel enger zusammenarbeiten als bisher, meinte Angelika Matt-Heidecker. Aber die Kommunen könnten die Schulsozialarbeit auf Dauer nicht mehr eigenständig finanzieren. An dieser Stelle müsse das Land umdenken und Stellen für Schulsozialarbeiter zur Verfügung stellen.

 

Wie wichtig diese Arbeit auch für die Integration der unterschiedlichsten Schüler ist, zeigt sich daran, dass an der Alleenschule rund 30 Nationen vertreten sind. Schulleiter ­Häfele sagt dazu: „Unser Grundsatz ist, dass alle Kinder dazugehören, egal, woher sie kommen. Das sehen die Lehrer so, das sehen aber auch die Schüler so.“

 

Wie soll es nun mit dem „Chilli“ weitergehen? Die Oberbürgermeisterin versprach am Ende ihres Besuchs: „Wir werden einen sinnvollen Weg finden. Der muss aber auch finanziell sinnvoll sein. Wir werden sicher nicht abreißen, damit abgerissen ist.“ Bevor das alte Hausmeistergebäude dem Bagger weicht, müsse eine andere Lösung für den Hauptschultreff gefunden sein. Das hörte sich auch für Betül und Janina gut an.